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Formaldehyd-Allergie

Formaldehyd ist eine der wenigen Substanzen, die sowohl Kontaktallergien (Typ 4-Allergien) als auch IgE-mediierte Allergien vom Soforttyp (Typ 1-Allergien) auslösen können. Als Kontaktallergen, etwa als bakterizid wirksames Spaltprodukt mancher Konservierungsstoffe, ist Formaldehyd seit langem bekannt und deshalb fester Bestandteil der routinemäßig getesteten Standardallergene. Wenig bekannt und wenig untersucht ist Formaldehyd als potenzieller Auslöser von Typ 1-Allergien. Relevante Exposition gegenüber Formaldehyd  in der Atemluft ist nicht ausschließlich berufsbedingt, auch im privaten Bereich kann es durch Abdampfung aus Lacken, Klebstoffen oder Spanplatten zu Belastungen kommen.


Belastung durch Formaldehyd in der Atemluft
Die Frage, ob inhalative Formaldehydexposition zu einer spezifischen Sensibilisierung führen kann, wurde im FAZ in mehreren Studien untersucht, unter anderem bei Medizinstudenten, die im Zuge ihrer Anatomieausbildung zeitweise überdurchschnittlich hohen Formaldehydkonzentrationen ausgesetzt sind. Es zeigte sich dabei, dass Formaldehyd hauptsächlich unspezifisch irritativ wirkt, in Einzelfällen aber tatsächlich geringe Mengen spezifischer IgE-Antikörper gegen Formaldehyd zu induzieren vermag. Allerdings konnte bei all diesen Personen keinerlei Zusammenhang zwischen dem Eintreten einer Sensibilisierung und dem Ausmaß an Beschwerden hergestellt werden, sodass diese Antikörper als klinisch irrelevant angesehen werden müssen. 

  

Literatur:

  • Wantke F, Demmer CM, Götz M, Jarisch R. Exposure to gaseous formaldehyde induces IgE mediated sensitization to formaldehyde in schoolchildren. Clin Exp Allergy 1996;26:276-280.
  • Wantke F, Focke M, Hemmer W, Tschabitscher M, Gann M, Tappler P, Götz M, Jarisch R. Formaldehyde and phenol exposure during an anatomy dissection course: a possible source for IgE mediated sensitization? Allergy 1996;51:837-841.
  • Wantke F, Focke M, Hemmer W, Bracun R, Wolf-Abdolvahab S, Tschabitscher M, Gann M, Tappler P, Götz M, Jarisch R. Formaldehyde and phenol exposure during 10 weeks of anatomy dissecting: Induction of IgE-mediated sensitization against formaldehyde. Allergy 2000;55:84-87. 


Formaldehyd beim Zahnarzt 
Klinisch relevant dürfte aber eine Formaldehydsensibilisierung sein, wenn sie im Zusammenhang mit der Verwendung formaldehyd-hältiger Materialien bei zahnärztlichen Eingriffen erfolgt. Gelegentlich werden nämlich bei 
Wurzelbehandlungen zur Abtötung der Zahnpulpa spezielle Devitalisierungspräparate verwendet, deren aktiver Bestandteil Formaldehyd ist (z.B. Toxavit, Trio Paste). Insbesondere bei mehrfacher Anwendung solcher Präparate kann es zur Induktion einer humoralen Immunantwort mit spezifischen IgE und IgG-Antikörpern kommen. 
Allergische Symptome treten typischerweise verzögert, d.h. oft erst nach mehreren Stunden, auf und umfassen generalisierte Urtikaria, Gesichtsschwellungen und Asthma bis hin zu kardiovaskulärer Symptomatik und Bewusstlosigkeit. Nicht selten sind intensivmedizinische Maßnahmen und Hospitalisierung notwendig. 

 

Literatur: 

  • Wantke F, Hemmer W, Haglmüller T, Götz M, Jarisch R. Anaphylaxis after dental treatment with formaldehyde containing filling material. Allergy 1995;50:274-276.