Skip to main content

Case reports

Ein Mädchen mit einer auffälligen Hypopigmentierung im Bereich des rechten Oberarms wurde mit seinen Eltern im FAZ vorstellig. 6 Wochen zuvor hatte es sich während eines Ägyptenurlaubes von einem Straßenhändler eine Hennatätowierung in Form einer Sonne auftragen lassen. Während der ebenfalls "geschmückte" Bruder symptomfrei blieb, entwickelte die Patientin eine starke entzündliche Reaktion. Nach Abklingen der akuten Entzündung zeigte sich an den betroffenen Stellen eine deutliche Depigmentierung der Haut, die mehrere Monate bestehen blieb.
Im Epikutantest konnte eine Kontaktsensibilisierung gegen para-Phenylendiamin (PPD) nachgewiesen werden, während die Patientin auf Henna selbst nicht sensibilisiert war. PPD ist ein klassisches Kontaktallergen aus Haarfärbemitteln. Zwar ist PPD als Farbstoffverstärker in Hennapräparationen in Europa verboten, es findet sich aber häufig in asiatischer Importware bzw. in Asien und Afrika selbst. 
Literatur:
 

  • Wöhrl S, Hemmer W, Focke M, Götz M Jarisch R. Hypopigmentation after non-permanent henna tattoo. J Eur Acad Dermatol Venerol 2001;15:470-472.

Künstliche Fingernägel werden fast ausschließlich aus (Meth)acrylaten hergestellt und ähneln in ihrer chemischen Zusammensetzung weitgehend den im Dentalbereich verwendeten Kunststoffen. Während früher Sensibilisierungen gegen (Meth)acrylate in erster Linie zahnärztliches Personal betrafen, sind mittlerweile wegen der zunehmenden Verbreitung künstlicher Fingernägel etwa die Hälfte aller diagnostizierten Methacrylatallergien durch künstliche Fingernägel bedingt. Interessanterweise treten bei diesen Patientinnen Symptome nicht nur an Fingern oder Händen auf, sondern infolge "Verschleppung" des Allergens oft auch im Gesicht, an den Lidern oder im Halsbereich. Bei Auftreten allergischer Symptome ist meist der gänzliche Verzicht auf modellierte Nägel notwendig, da üblicherweise zwischen den (Meth)acrylaten verschiedenener Nageltypen ("Acrylnägel", "Gelnägel") hohe Kreuzreaktivität besteht und nach unseren Erfahrungen auch "hypoallergene" Produkte nicht gänzlich frei von (Meth)acrylaten sind. 
Neben den oben beschriebenen, aus flüssigen Kunststoffmonomeren "modellierten" Kunstnägeln gibt es neuerdings präformierte Kunstnagelspitzen, die einfach mit Hilfe eines Spezialklebers auf den natürlichen Nagel aufgeklebt werden. Der dabei verwendete Spezialkleber ist ein Cyanoacrylat (sog. "Superkleber"). Im Gegensatz zu (Meth)acrylaten sind Cyanoacrylate sehr schwache Allergene und Sensibilsierungen sind außerordentlich selten. Bei kontinuierlichem intensivem Hautkontakt kann es aber in seltenen Fällen doch zu einer Sensibilisierung kommen, wie wir bei einer 20-jährigen Patientin, die ein Jahr lang diesen Nageltyp verwendete, zeigen konnten. Eine Überempfindlichkeit auf (Meth)acrylate bestand hier nicht, da zwischen diesen und Cyanoacrylaten keine immunologische Kreuzreaktivität besteht.  
Literatur: 

  • Hemmer W, Focke M, Wantke F, Götz M, Jarisch R. Allergic contact dermatitis to artificial fingernails prepared from ultraviolet cured acrylates. J Am Acad Dermatol 1996;35:377-380. 
  • Hemmer W, Wöhrl S, Focke M, Götz M Jarisch R. Kontaktallergie auf "Superkleber" (Ethyl-2-cyanoacrylat) durch künstliche Fingernägel. Dermatol Beruf Umwelt 2001;49:115-118. 

Untersuchungsgele für Ultraschalluntersuchungen sind gut hautverträglich, und kontaktallergische Reaktionen sind schon wegen der nur kurzen Applikationszeit ungewöhnlich. Bei einer 56-jährigen Patientin trat dennoch im Zuge einer Gallenblasenuntersuchung eine massive, nach etwa 5 Stunden einsetzende und trotz Steroidtherapie über 2 Wochen persistierende Kontaktreaktion aus. 
Die Epikutantestung mit den Inhaltsstoffen des Gels ergab eine hochgradige Sensibilisierung auf das Konservierungsmittel Methyldibromoglutaronitril (=Dibromdicyanobutan), wobei positive Reaktionen noch mit der 50-fachen Verdünnung der üblichen Testkonzentration gesehen wurden. Methyldibromoglutaronitril ist Bestandteil des Konservierungsmittels Euxyl K400, welches auch in zahlreichen Kosmetika eingesetzt wird. Sensibilisierungen sind daher im Routinekrankengut mit 1,5% relativ häufig und betreffen sowohl Frauen als auch Männer. Bei bekannter Sensibilisierung sollte, sofern keine Alternativprodukte zur Verfügung stehen, der Kontakt möglichst kurz sein und die kontaminierten Hautareale sorgfältig gereinigt werden, auch wenn Unverträglichkeitsreaktionen möglicherweise nur bei hochgradiger Sensibilisierung auftreten. 
Literatur: 

  • Leitner B, Hemmer W, Focke M, Götz M, Jarisch R. Kontaktdermatitis auf Ultraschallgel. Dermatosen / Occup Environ 1999;47:164-165. 

Manche hochflüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffe werden nicht nur als Treibmittel in Sprays eingesetzt, sondern wegen ihrer niedrigen Verdunstungstemperaturen (unter 0°C) auch zur kurzzeitigen lokalen Anästhesie in der Medizin und im Leistungssport verwendet ("Vereisungssprays"). Wegen des extrem kurzen Hautkontaktes sind allergische Reaktionen unwahrscheinlich. 
Bei einer 22-jährigen Patientin, bei der es nach einem dermatologischem Eingriff mit lokaler Vereisung zu einer vesikulären Dermatitis kam, konnte in einem modifizierten Epikutantestverfahren tatsächlich eine echte kontaktallergische Sensibilisierung gegen das verwendete Mittel (Ethylchlorid) nachgewiesen werden. Schwächere Überempfindlichkeitsreaktionen bestanden auch gegen das Treibmittel Freon 11. Die Herkunft der  Sensibilisierung blieb unklar. Die Patientin gab aber an, Deosprays nicht zu vertragen und während ihrer jahrelangen Aktivitäten in einem Handballteam wiederholt mit Vereisungssprays behandelt worden zu sein. 
Literatur: 

  • Kriechbaumer N, Hemmer W, Focke M, Götz M, Jarisch R. Sensitization to ethylchloride in a handball player. Contact Dermatitis 1998;38:227-228